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Partagás-World-Tasting

Felix Honekamp, 26.08.2005

Einleitung

Ein nicht mehr produzierter Klassiker: die Partagás Lonsdales Ein nicht mehr produzierter Klassiker: die Partagás Lonsdales
Initiiert von Thomas M. Weise, nahm die Idee eines Partagás-World-Tastings ihren Ursprung in Düsseldorf. Einige Aficionados aus dem dortigen Zigarrenclub Humid‘Or waren auf der Suche nach Cabinet-Exemplaren der Partagás Lonsdales, einer Cervantes (Länge: 165 mm / 6,5", Ringmaß: 42, Durchmesser: 16,67 mm), deren Produktion leider im Jahr 2002 eingestellt wurde. Unterstützt wurden sie von Rafik Aboulian, dem Inhaber von Raffi Cigares in Genf, der gleichzeitig neben dem gewünschten Jahrgang 2002 (PUC AGO02) auch noch ein 50er-Cabinet aus dem Jahr 2001 (PAR JUN01) am Lager hatte. Ausgangspunkt zu dem Vergleichstasting war nun die Frage: »Wie mögen sich diese Zigarren wohl in Stärke, Aroma und Bouquet unterscheiden?«

Nach dieser ersten Idee entwickelte sich daraus die Vision, die beiden Jahrgänge durch Aficionados in aller Welt (in diesem Fall aus Berlin, Düsseldorf, der Karibik und Moskau) verkosten zu lassen. Dabei stand ergänzend die Frage, wie sich wohl die Eindrücke der Tasting-Teilnehmer aus den verschiedenen Kulturkreisen und Kontinenten unterscheiden mögen, im Vordergrund dieses wahren World-Tastings.

Überraschend oder nicht – die Eindrücke unterschieden sich deutlich, wenn auch einheitlich festzustellen bleibt, dass es sich um eine hochwertige Zigarre handelt. Zu schade, dass sie nicht mehr produziert wird.

Das Bewertungsschema Alle Teilnehmer haben den gleichen Bewertungsbogen benutzt, wobei in den einzelnen Kategorien die Punkte 1,0 (schlecht) bis 6,0 (hervorragend) vergeben werden konnten.

 

Am Potsdamer Platz in Berlin

Die Degustatoren: Dr. Maximilian Herzog, Matthias Martens, Klaus Jülicher, Dr. Djamil Djouchadar, Georgij Sieloff, Marcus Bassler, Dominik Schachtsiecht, Nikolay Smirnow

Das Berliner Tasting fand am 25. Juli 2005 im Hyatt-Regency-Hotel am Potsdamer Platz in der VOX-Bar statt. Insgesamt neun Aficionados rauchten die Zigarren (sechs von ihnen allerdings nur die von 2001, von der mehrere Exemplare vorhanden waren) und kamen in ihren Beurteilungen zu ähnlichen Bewertungen.

Im Großen und Ganzen mundete das Exemplar aus dem Jahr 2001 den Beteiligten besser als die 2002er-Zigarre: Trotz einiger Zugprobleme stachen hier besonders Aroma und Bouquet als angenehm süßlich, aber verbunden mit einem erdigen und pfeffrigen Partagás-Geschmack hervor. Der Zigarre wurde weiteres Reifungspotenzial attestiert.

Obwohl Aussehen und Verarbeitung der 2001 angenehmer erschienen, wies doch das Exemplar von 2002 einen wesentlich besseren Zug auf. Mit Aromen und Bouquet der 2001 konnte sie jedoch nicht mithalten, sodass auch das Reifungspotenzial als gering eingeschätzt wurde. Die Teilnehmer waren sich daher einig, dass sie – obschon jünger – für den sofortigen Genuss besser geeignet sei als die Zigarre aus dem Jahre 2001. Letztere nahm zum Ende hin noch einiges an Schärfe zu, was den Eindruck des Reifungspotenzials zusätzlich verstärkte.

Punkte-Bewertung Partagás Lonsdales 2001
Mittelwert
Partagás Lonsdales 2002
Mittelwert
Stärke 4,0 2,3
Aroma 3,0 2,5
Anhalten von Aroma 2,3 3,0
Bouquet 2,8 2,7
Gesamt 12,1 10,5

 

Am Rhein in Düsseldorf

Die Degustatoren: Felix Honekamp, Thomas M. Weise, Dirk Bessell, Tobias Grevenbroich, F. Oliver Pulz, Dietmar Fecke

Ein herrlicher Anblick: satte, dunkle Deckblätter Ein herrlicher Anblick: satte, dunkle Deckblätter

Ganz anders dagegen die Eindrücke aus Düsseldorf. Dort verköstigten sechs Mitglieder des Genießer- und Zigarrenclubs Humid‘Or in den Clubräumlichkeiten am 4. August die Tastingexemplare. In der Erwartung, mit der Zigarre von 2002 das mildere Exemplar zu rauchen, begannen alle Teilnehmer mit diesem Jahrgang. Zunächst in den Vordergrund tretende liebliche, fast süßliche Noten von getrockneten Früchten wandelten sich im Rauchverlauf zu einem für die Partagás typischen Aromenmix aus Tabak, Leder und pfeffrigen Anklängen bis hin zu einem waldig-erdigen, an Zedern erinnernden Geschmack. Einige der Aficionados ließen es sich nicht nehmen, diese Zigarre bis auf die letzten Millimeter zu rauchen.

Die äußerlich besser verarbeiteten und ansprechenderen Exemplare von 2001 enttäuschten jedoch die hohen Erwartungen, da sie nur ein vergleichsweise flaches, wenig differenziertes Aroma boten. Zwar wurden auch hier die Geschmacksnoten des 2002er-Exemplars identifiziert, doch blieben diese eher im Hintergrund. Da den Teilnehmern die ersten Eindrücke aus dem Berliner Tasting bekannt waren, überraschte dieses so deutlich abweichende Ergebnis umso mehr.

Punkte-Bewertung Partagás Lonsdales 2001
Mittelwert
Partagás Lonsdales 2002
Mittelwert
Stärke 3,1 4,2
Aroma 2,9 4,2
Anhalten von Aroma 2,4 4,3
Bouquet 2,6 3,8
Gesamt 11,0 16,5

 

Am Golf von Mexiko

Die Degustatoren: Avo Uvezian, Juan Clemente, Jack R. Melkonian

Unter der Sonne des Südens wurden die Zigarren im August 2005 von drei Zigarrenkennern geraucht. Interessant ist dieses Tasting vor allem auch deshalb, weil die Taster selbst Hersteller hervorragender dominikanischer Zigarren sind.

Optisch wurden auch hier, wie bereits in Berlin und Düsseldorf, die Exemplare aus dem Jahre 2001 bevorzugt, obschon diese teilweise sehr fest gerollt sind. Insgesamt erschien das Exemplar von 2001 den Teilnehmern aromatischer. Vermutlich haben die Zigarren unterschiedliche Tabakmischungen, wobei die der 2001er wesentlich würziger zu sein schien, weshalb zwei der Degustatoren diese Zigarre auch bevorzugten. Entgegen diesem generellen Urteil wurde die 2002er im Rauchgenuss aber ebenfalls als angenehmer gesehen – wohl nicht zuletzt auch eine Frage der gewünschten Stärke.

Geht man davon aus, dass der Geschmack und das Aroma einer Zigarre von Jahrgang zu Jahrgang gleich bleiben sollte, war dies hier eindeutig nicht der Fall. So war man sich letztlich in dem Urteil einig, dass beide Exemplare im Geschmack eher einer mittelmäßigen dominikanischen Zigarre entsprächen.

Punkte-Bewertung Partagás Lonsdales 2001
Mittelwert
Partagás Lonsdales 2002
Mittelwert
Stärke 4,2 3,3
Aroma 3,7 2,5
Anhalten von Aroma 3,8 3,3
Bouquet 3,3 3,0
Gesamt 15,0 12,1

 

In Moskau an der Moskwa

Die Degustatoren: Valery Limarov, Jack R. Melkonian, Nikolay Smirnov

Interessanterweise wurden die in den anderen Orten besprochenen Eindrücke im letzten Tasting in der Moskauer Gallery of Tobacco am 17. August 2005 zusammengeführt.

Einig waren sich die drei Degustatoren auch hier, dass die Zigarren sehr unterschiedlich ausfallen und dies wohl auf unterschiedliche Mischungen zurückzuführen sei. Nicht so eindeutig fiel jedoch die Beurteilung aus, welche Zigarre bevorzugt würde.

Während zwei der Moskauer Verkoster der 2001er-Zigarre mehr Aroma zusprachen und die 2002er als eher flach empfanden, war der dritte in der Runde, der übrigens nicht aus Russland stammt, der Meinung, dass das Exemplar aus dem Jahre 2002 delikatere Aromen bereithielte und ausgewogener im Geschmack sei. Hier spiegeln sich möglicherweise die unterschiedlichen Rauchgewohnheiten wider, denn in Russland werden gerne eher junge, »unreife«, ein wenig aggressive kubanische Zigarren geraucht. Vor diesem Hintergrund fällt die mildere 2002er-Zigarre in der Tat in der Beurteilung ab, doch einigte man sich in Moskau auch darauf, dass es sich bei der 2002er-Zigarre um den eleganteren Rauchgenuss handele.

Damit lässt die abschließende Wertung aus Moskau dankenswerter Weise offen, welche der Zigarren letztlich zu bevorzugen sei.

Punkte-Bewertung Partagás Lonsdales 2001
Mittelwert
Partagás Lonsdales 2002
Mittelwert
Stärke 3,7 3,5
Aroma 3,0 3,7
Anhalten von Aroma 3,3 3,7
Bouquet 3,3 4,2
Gesamt 13,3 15,1

 

Der Artikel erschien in der Ausgabe 4/2005 der – leider mittlerweile eingestellten – Zeitschrift C – Das Journal für Lebenskultur, S. 62-67.

 

Bildergallerie

 

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